Führung durch den Alten Flecken mit Nachtwächter Frieder

Friedhelm Geldsetzer alias Nachtwächter Frieder hatte die Mitglieder und Freunde des Obst- und Gartenbauvereins zu einer Führung durch die Altstadt eingeladen. Hier sahen und erfuhren die Besucher so einiges.

Seit dem 7. November 1456 hat Freudenberg Stadtrechte und darf sich seitdem Flecken nennen. Der Alte Flecken steht auf den Fundamenten von 1540. Damals brannte die Stadt zum ersten Mal nieder. Am 9. August 1666 war es erneut soweit. Fürst Johann Moritz ist es zu verdanken, dass der Flecken schnell wieder aufgebaut werden konnte. Anlässlich des 550-jährigen Jubiläums der Verleihung der Flecken-Rechte wurde die Stadt erneut „abgebrannt“ (mit Pyrotechnik).

Der Kriegskassenraub zu Freudenberg im Jahr 1796 war ebenso Thema der Führung wie die Tatsache, dass Martin Luther durch den Flecken gegangen ist. Als die Besuchergruppe auf dem alten Friedhof stand, erfuhr sie, dass dort etwa 3.000 Menschen beerdigt wurden.

Die Plumpsklos, die als „Hochsitze“ ohne Licht und Wärme an die Häuser angebaut wurden, ließen so manches „Geschäft“ recht unkomfortabel werden und waren auch gern gewählte Schauplätze für Jungen-Streiche.

Zurück zum Kriegskassenraub: Selbst „Ausländer“ aus dem Wendschen Land halfen den Fleckern dabei, die Franzosen zu berauben. Doch waren die Süd-Sauerländer später die einzigen Leidtragenden der französischen Rache. Ihre Dörfer wurden niedergebrannt, während der Flecken dieses Mal unversehrt blieb. Vermutlich diente ein Teil des französischen Goldschatzes später der Errichtung des Freudenberger Bethesda-Krankenhauses, die 1859 erfolgte.

Anekdoten aus dem 20. Jahrhundert konnte Friedhelm ebenso beisteuern wie Einblicke in die Lebenswirklichkeit früherer Zeiten. Jedes Haus hatte einen Brunnen, obwohl nur zwei Wasseradern durch den Flecken führen. Die Freudenberger haben es geschafft, das Wasser mittels Querstich auf alle Brunnen aufzuteilen. Viel Wasser war nicht nötig, denn gebadet wurde nur einmal im Monat und auch die Kleidung wurde so lange getragen.

In der Oranienstraße entstand Mitte des 19. Jahrhunderts der erste Siegerländer Kindergarten und in der Poststraße wohnte bei Weisgerbers ein „katholisches“ Pferd.

Zu viel verraten wollen wir an dieser Stelle nicht. Stattdessen seien Sie aufgerufen, sich selbst zu einer Nachtwächterführung anzumelden. Es lohnt sich!
http://freudenberg-wirkt.de/tourismus/stadtfuehrungen/