Rekordernte bleibt aus

Viele Obstbäume werfen ihre Früchte aufgrund von Hitze und Trockenheit verfrüht ab

Es hätte eine Rekordernte für die Obstliebhaber der Region werden können – doch dann kamen Hitze, Trockenheit und Bienenschwund.

Wer im Frühjahr einen Blick in die Obstgärten und Streuobstwiesen der Region warf, der kam aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Überall zeigten Bäume und Sträucher ihre farbenfrohe Blütenpracht. Später Frost und starker Regen blieben aus, sodass Fachleute zunächst eine mögliche Rekordernte prophezeiten.

Doch diese wird wohl ausbleiben. Hitze, extreme Trockenheit und vor allem unzureichende Bestäubung durch die Bienen ließen den Traum einer ertragreichen Ernte platzen. „Selbst in unserem Lehrgarten, in dem sechs Bienenstöcke untergebracht sind, ist es dieses Jahr nicht gut gelaufen“, bedauert Friedhelm Geldsetzer als Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins Freudenberg. Die insuffiziente Bestäubung durch die Insekten – vor allem Bienen – führt der Freudenberger auf das außergewöhnlich warme Klima in diesem Sommer zurück; es gebe aber auch Landstriche, in denen die Bestäubung gut funktioniert habe.

Geldsetzer hatte sich Hoffnung auf eine ähnlich üppige Ernte wie im Jahr 1980 gemacht. Damals lief die Mosterei des Vereins bis in den November auf Hochtouren. Es habe schlechte Jahre gegeben, in denen die Mosterei ihren Betrieb erst gar nicht aufgenommen habe, aber eine derartige Enttäuschung wie in diesem Jahr habe er noch nicht erlebt, bedauert der Obst-Experte.

Viele Privatleute kauften vor allem Apfelbäume unter der Prämisse, dass sie möglichst schnell erste Früchte ausbilden. Diese Bäume seien zumeist Flachwurzler und bekämen derzeit Probleme, stellt der Pomologe Theo Morgenschweis fest. „Viele Leute kontaktieren mich, weil ihr Apfelbaum die Blätter hängen lässt. Die meisten wissen aufgrund unzureichender Beratung beim Kauf gar nicht, um welchen Baumtyp es sich handelt.“ Wer einen Flachwurzler im heimischen Garten habe, der solle den Baum im Traufbereich – also in einem Bereich, der ungefähr dem Durchmesser des Blattwerks entspricht – mit mindestens 30 Litern Wasser gießen. Des Weiteren sollte die Grasnarbe um den Baum herum gepflegt sein, da sonst andere Gewächse, wie beispielsweise Unkraut, dem Baum die Nährstoffe entziehen könnten. „Grundsätzlich empfehle ich immer den Kauf eines Obstbaums in einer Baumschule mit entsprechend guter Beratung und etwas mehr Geduld mit der ersten Ernte“, sagt der Neunkirchener.

Wenngleich in diesem Jahr viele keine besonders ertragreiche Ernte erwarten dürfen und vor allem die Äpfel im heimischen Garten wohl eine Nummer kleiner ausfallen werden, so können sich manche Obstliebhaber, deren Bäume ausreichend bestäubt und bewässert wurden, auf einen besonders intensiven Geschmack der sonnengereiften Früchte freuen. Ein weiterer Vorteil ist, dass einige Sorten wie der Rheingoldapfel schon früher reif sind als üblich. Die Hoffnung noch nicht aufgeben sollten „Fans“ der Spätapfelsorten wie Kaiser Wilhelm oder Schmidberger Renette, denn diese könnten durch regenreiche Wochen doch noch eine üppige Ernte erbringen.

Auszug aus Siegener Zeitung vom 25.7.2018